Begegnungen im Senegal

Eine Gruppe von Schülern und Lehrern besuchten im November 2013 unsere Partnerschule, das Lycee Moderne in Rufisque im Senegal. Aus den bei dieser Begegnung entstandenen Fotos entstand in den darauf folgenden Monaten eine Fotoausstellung zu sechs Themen: 

     Begegnungen
     Familienleben
     Kinder & Jugendliche
     Markt & Händler 
     Stadtleben Rufisque
     Tiere

Ein Querschnitt aus den etwa 90 Fotos ist hier in der Ausstellung zu sehen.
Außerdem entstand im Kunstunterricht ein Video zu dem Thema der Begegnung: Umweltverschmutzung und Umweltschutz. Auf folgendem Link kannst du es ansehen: 
http://www.youtube.com/watch?v=fxYWQrgxMq4&feature=youtu.be

Ein Projekt des Gymnasiums auf den Seelower Höhen - Fotografen: Pauline Glatzer, Stefanie Gerhardt, Luisa Brandtner, Martha Bienert, Elisabeth Frielinghaus, Martin Kind, Hannes Böttcher, Max Stürzerbecher, Doreen Kind, Dr. Olaf Steinke, Jörg Miethe
Während des Besuches entstand tagebuchartig täglich ein Artikel für die Märkische Oderzeitung.

Hier kannst du einige Ausschnitte nachlesen:

14.11.2012 Mit im Unterricht

Es klingelt. Deutschunterricht im Lycée Moderne de Rufisque. Monsieur Diop fragt mich und Hannes, ob wir die Stunde gern gestalten wollen. Wir verneinen lachend. Darauf weist er uns die letzten beiden Stühle zu.

Die Schüler tuscheln und schauen zu uns herüber. Vielleicht haben sie Angst, sie machen Fehler und wir merken es. Aber auch wir sind gespannt auf die Stunde. Manche Schüler nehmen es mit der Zeit nicht so genau. Aus dem uns nur aus den Unis bekannten Akademischen Viertel wird ein Akademisches Hälftel. Eine halbe Stunde nach Unterrichtsbeginn erscheinen die letzten Säumigen und der Deutschunterricht beginnt. Mr. Diop verteilt Hefte, aus denen die Schüler zu lesen beginnen. Es geht um integrierten Tourismus, so wie wir ihn quasi betreiben. Ein normaler Tourist würde schließlich nie in ein Gymnasium spazieren können, um am Alltag der Senegalesen teilhaben zu können.

Die Mädchen im Klassenraum tragen rosafarbene Kittel und die Jungs blaue Hemden, die verbindliche Schuluniform. Die Mädchen tragen ausnahmslos aufwendige Frisuren und die Meisten haben hunderte kleine Zöpfe auf dem Kopf.

Die Stunde heute besteht aus dem Leseteil, einem Grammatikteil und einem kleinen Spiel. Im Großen und Ganzen ganz ähnlich wie in Deutschland, nur dass 50 statt 25 Jugendliche in einem Raum sitzen. Auch ganz bekannt kommt uns das schnelle Verlassen des Raumes zum Mittagsklingeln vor.

Pauline Glatzer

18.11.2012 Ein Wochenende in Familie

Ich habe mich schon lange nicht mehr so gut gefühlt, ich bin einfach nur glücklich. Der Senegal füllt einen vollkommen aus, man hat nicht mal mehr das Bedürfnis, seine Probleme im Kopf herumzuwälzen. Ich lasse mich einfach von allem eindrücken mitnehmen, sauge die Geräusche, die Bilder, die Gefühle in mich auf und lerne so viel Französisch auf einmal, dass es für etliche Unterrichtsstunden reichen würde.

Dieses Wochenende habe ich bei meiner Gastschwester Fatma Fall verbracht. Sie ist unglaublich offen, fröhlich, liebenswert, und, vor allem geduldig, was den Umgang mit so planlosen Menschen wie mir angeht. Ihre Familie lebt in einem großen Haus in Rufisque, weit entfernt von der Schule.

Fatma hat so viele Verwandte, dass man sich die ganzen Namen erst merken könnte, wenn man ein halbes Jahr bei ihr leben würde. Das nächste Problem ist, das sie mir all ihre Freunde als ihre Brüder und Schwestern vorstellt, was das ganz noch schwieriger macht. Sie hat mir erklärt, dass die Jugend des Senegals eine einzige große Familie ist. Fatmas Mutter ist für mich schon meine zweite Mutter geworden und ihre große Schwester meine große Schwester. Ich werde diese Familie vermissen, das ist schon jetzt klar.

Im Hause Fall gibt es eine große Regel: Die Gemeinschaft zählt. Es wird zusammen gekocht und gegessen, man teilt sich die Arbeit auf und nimmt immer Rücksicht auf den anderen. Gegessen wurde zum Beispiel nur, wenn das Haus sauber und ordentlich und wenn jeder anwesend war. Wenn jemand fehlte oder noch duschen musste, wurde halt gewartet. Mir wurde jeder Wunsch von den Lippen abgelesen, obwohl ich nie einen geäußert habe. Wenn ich irgendetwas nicht verstand, wurde solang mit Zeichensprache, Bildern und in Deutsch, englisch und französisch erklärt, bis ich es begriffen hatte. Ich wurde immer integriert, Fatma und ihre Schwester nahmen mich mit zum Markt (unbeschreiblich), kauften mir einen BouBou (senegalesisches Gewand für Frauen bestehend aus einem Oberteil und einem langen Rock) und beantworteten geduldig jede meiner unzähligen Fragen.

Die Menschen im Senegal sind lebensfroh. Das ist das einzige Wort, das wirklich passt. Sie hören einander zu, leben als riesige Gemeinschaft, in der jeder dazugehört und genießen jede Sekunde ihres Lebens. Ich habe schon jetzt so viel dazugelernt.

Elisabeth Frielinghaus

21.11.2012 Allein! Allein?

Es war der Tag gekommen, an dem es in die Gastfamilien gehen sollte, womit ein mulmiges Gefühl in der Magengegend einherging.

Vor der Schule wurden wir von unseren „Geschwistern” erwartet, die wir kaum kannten. Und los ging die Reise ins Ungewisse. Erst ein Stück Marsch mit Gepäck, dann rein in einen zum Glück noch leeren Kleinbus, der sich aber schnell füllte. Als es schon dunkel war, was mich sehr beunruhigte, sind Fama und ich dann ausgestiegen und waren einkaufen. Dazu sind wir in der Dunkelheit durch die Straßen gelaufen. Ich wusste nicht genau wo ich war, hatte kein Telefon und kannte niemanden länger als eine Woche. Ziemlich schnell musste ich mir zugestehen, dass ich keine Kontrolle mehr hatte und ich meiner Gastschwester blind vertrauen musste. Diese Lektion wiederholte sich im Laufe des Wochenendes noch öfter.

Als nächstes sind wir mit einem Taxi zum „zu Hause für ein Wochenende” gefahren, das in einem Neubaugebiet stand und somit auch in einem guten Zustand war. Dort wurde ich sehr herzlich empfangen und bekam auch gleich die ersten Geschenke (« cadeaux »). Vor Begeisterung war ich ganz überwältigt. Nach einem abendlichen Spaziergang, um Obst zu holen und dem Essen (Fisch und Reis) bin ich dann bald schlafen gegangen. Ich teilte mir ein Bett mit meiner Gastschwester, was ich aber sehr gut fand, denn so war ich in der Fremde nicht allein. Überhaupt gab mir die Familie nie wirklich das Gefühl, allein zu sein. Immer war eines der Kinder bei mir und ich konnte mich wie ein Familienmitglied fühlen. Es gab jedoch auch die Möglichkeit zu mehr Distanz (wenn ich das denn gewollt hätte). Zum Beispiel sollte ich einmal das Essen allein einnehmen, was eine große Ehre ist, konnte aber auf meine Nachfrage hin auch mit der Familie zusammen essen.

Am nächsten Tag war ein besonderer Ausflug geplant. Es ging auf den Markt. Überall waren Leute, die mich als Weiße natürlich besonders anschauten. Es roch immer anders: Mal unangenehm nach Fisch, dann verzauberten interessante Gerüche von Gewürzen und anderem die Sinne. Überall musste man sich durchdrängeln. Da gab mir eine kleine Hand (meiner jüngeren Gastschwester Diarra) großen Halt. Über diese kleine Geste war ich sehr dankbar. Als nächstes kamen wir an die Stelle, wo wir das Huhn für das Abendesse kaufen wollten. Dort gab es auch lebendige Tiere und ich hatte schon Angst, für das Essen müsste noch eines (vor meinen Augen) geschlachtet werden. Das war zum Glück nicht der Fall.

Wieder zu Hause habe ich bei der Zubereitung der Mahlzeit geholfen. Dafür bekam ich Mörser und Stößel, womit ich Gewürze und Zwiebeln zerkleinerte und vermischte. Zum Teil selbstgemacht schmeckte es dann auch wirklich gut, sodass meine Gastmutter mir immer mehr Hühnchen auf meinen Teil des Tellers legte und ich schon ein schlechtes Gewissen bekam, weil ich den anderen die Spezialitäten wegaß.

Am letzten Tag machte die Familie noch einen Ausflug zum Strand, der sich (für mich) überraschend in ein Treffen mit den anderen Schülern der Delegation verwandelte und wir verbrachten noch ein paar schöne Stunden miteinander, bevor die Zeit zum Abschiednehmen gekommen war.

Luisa Brandtner